Blei im Trinkwasser: Risiken erkennen, richtig handeln und Wasser analysieren lassen

Blei im Trinkwasser: Risiken erkennen, richtig handeln und Wasser analysieren lassen

 

Trinkwasser wird in Deutschland streng kontrolliert und verlässt das Wasserwerk in der Regel in guter Qualität. Trotzdem kann sich die Wasserqualität auf dem letzten Weg bis zum Wasserhahn verändern. Besonders in älteren Gebäuden können noch Bleirohre, bleihaltige Teilstücke oder alte Installationskomponenten vorhanden sein. Diese können Blei an das Trinkwasser abgeben, ohne dass man es sieht, riecht oder schmeckt.

Was ist Blei?

Blei, chemisches Symbol Pb, ist ein natürlich vorkommendes Schwermetall. Früher wurde es wegen seiner guten Verformbarkeit und Korrosionsbeständigkeit häufig technisch eingesetzt, unter anderem für Wasserleitungen, Lote, Farben und Batterien.

Für Trinkwasser ist Blei vor allem dann relevant, wenn es aus alten Leitungen oder bleihaltigen Verbindungsteilen in das Wasser übergeht. Dieser Übergang passiert meist langsam und unbemerkt. Besonders kritisch ist Wasser, das mehrere Stunden in der Leitung gestanden hat, etwa über Nacht oder während eines Arbeitstags.

Wie gelangt Blei ins Trinkwasser?

Die häufigste Ursache für Blei im Trinkwasser liegt nicht im Wasserwerk, sondern in der Hausinstallation. Sobald das Wasser das öffentliche Versorgungsnetz verlässt und durch die Leitungen eines Gebäudes fließt, können alte Materialien die Wasserqualität beeinflussen.

Besonders betroffen sind Gebäude, die vor etwa 1973 gebaut wurden. Seit 1973 wird Blei in Deutschland nicht mehr als Leitungsmaterial verwendet. Bleileitungen finden sich vor allem in älteren Häusern, Mehrfamilienhäusern, öffentlichen Gebäuden oder unsanierten Altbauten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Dabei muss nicht immer eine komplette Leitung aus Blei bestehen. Auch kurze Teilstücke, alte Anschlussleitungen, bleihaltige Lötstellen oder einzelne Verbindungselemente können relevant sein. Kleine bleihaltige Abschnitte sind besonders problematisch, weil sie in Kombination mit anderen Metallen über Korrosionsprozesse vergleichsweise viel Blei ins Wasser abgeben können.

Gesundheitliche Schäden von Blei

Blei ist ein toxisches Schwermetall. Es kann bereits in niedrigen Konzentrationen problematisch sein, vor allem wenn es regelmäßig über längere Zeit aufgenommen wird. Der Körper kann Blei nicht einfach vollständig und schnell ausscheiden. Ein Teil zirkuliert zunächst im Blut, lagert sich in Weichteilen ab und wird langfristig in den Knochen gespeichert.

Besonders empfindlich reagieren:

  • Säuglinge
  • Kleinkinder 
  • Ungeborene 
  • Kinder 
  • Schwangere
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem

Bei Kindern kann Blei die Entwicklung des Nervensystems beeinträchtigen. Dadurch können Konzentration, Lernfähigkeit und kognitive Entwicklung betroffen sein. Bei Erwachsenen kann eine langfristige Bleiaufnahme unter anderem Nervensystem, Nierenfunktion und Blutbildung beeinträchtigen.

Das Problem: Eine Bleibelastung macht sich nicht zwingend sofort bemerkbar. Gesundheitliche Folgen können schleichend entstehen. Genau deshalb ist es riskant, bei Verdacht einfach abzuwarten.

Grenzwerte von Blei in Trinkwasser

Der aktuelle Grenzwert für Blei im Trinkwasser liegt in Deutschland bei 0,010 mg/L, also 10 µg/L. Dieser Wert gilt seit Dezember 2013. Ab dem 12. Januar 2028 wird der Grenzwert weiter auf 0,005 mg/L, also 5 µg/L, abgesenkt.

Der niedrigere Grenzwert zeigt: Blei wird gesundheitlich sehr streng bewertet. Besonders bei alten Bleirohren ist die Einhaltung des Grenzwerts unsicher. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass der aktuelle Grenzwert in Wasser, das durch Bleirohre geflossen ist, vermutlich nicht zuverlässig einzuhalten ist.

Sind Bleirohre heute noch erlaubt

Nein. Nach der aktuellen Trinkwasserverordnung müssen alte Bleileitungen stillgelegt oder ausgetauscht werden. Die Übergangsfrist endete am 12. Januar 2026. Seitdem dürfen Bleileitungen und bleihaltige Teilstücke in Trinkwasserinstallationen grundsätzlich nicht mehr betrieben werden.

Das gilt nicht nur für komplette Bleirohre, sondern auch für bleihaltige Bauteile oder kurze Teilstücke. Eigentümer und Betreiber von Wasserversorgungsanlagen sind dafür verantwortlich, dass die Trinkwasserinstallation den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Woran erkennt man Bleirohre?

Bleirohre lassen sich manchmal an sichtbaren Leitungsabschnitten erkennen, vor allem im Keller, in Steigleitungen oder in der Nähe des Wasserzählers. Typische Merkmale sind:

  • grau-silberne Oberfläche 
  • vergleichsweise weiches Material
  • leicht mit Schraubenzieher, Messer oder Kugelschreiber anritzbar
  • oft etwas dickere, gebogene Leitungsführung

Da viele Leitungen unter Putz liegen, reicht eine Sichtprüfung aber nicht immer aus. Sicherheit bringt eine fachliche Prüfung der Installation oder eine Wasseranalyse durch ein Labor. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt bei Verdacht eine fachliche Prüfung oder Trinkwasseranalyse.

Wer ist eigentlich verantwortlich? Wasserversorger, Eigentümer oder Mieter?

Bis zum Hausanschluss liegt die Verantwortung beim Wasserversorger. Innerhalb des Gebäudes ist in der Regel der Eigentümer beziehungsweise Betreiber der Trinkwasserinstallation verantwortlich.

Für Mieter bedeutet das: Wenn ein Verdacht auf Bleileitungen besteht, sollte zuerst die Hausverwaltung oder der Vermieter angesprochen werden. Eigentümer und Vermieter müssen bei vorhandenen Bleileitungen handeln und die Installation überprüfen beziehungsweise sanieren lassen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Mieter bei Untätigkeit auch die zuständige Behörde einschalten können.

Fazit: Risiko erkennen und gezielt handeln

Blei im Trinkwasser ist kein flächendeckendes Problem – aber ein relevantes Risiko in älteren Gebäuden mit entsprechender Installation. Entscheidend ist: Die Wasserqualität kann sich auf dem letzten Meter bis zur Entnahmestelle deutlich verändern. Besonders für sensible Gruppen wie Kinder und Schwangere ist das Risiko nicht zu unterschätzen, weshalb der gesetzliche Grenzwert bewusst sehr niedrig angesetzt ist.

Der Austausch alter Bleirohre sowie regelmäßige Wasseranalysen sind wichtige Maßnahmen, um gesundheitliche Risiken langfristig zu vermeiden.

Quellen:

World Health Organization (WHO). (2017).
Guidelines for Drinking-water Quality.
https://www.who.int/publications/i/item/9789241549950

European Union. (2020).
Directive (EU) 2020/2184 on the quality of water intended for human consumption.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32020L2184

Umweltbundesamt.
Bleirohre: Blei im Trinkwasser ist gesundheitsgefährdend.
https://www.umweltbundesamt.de

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). (2024).
Blei im Trinkwasser – Ergebnisse des Sonderuntersuchungsprogramms.

DVGW – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches.
Blei im Trinkwasser – Informationen zu alten Rohrleitungen.

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