Warum Wasser mal weich und mal hart ist: Was die Gesamthärte wirklich bedeutet
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Ob Trinkwasser als „weich“, „mittel“ oder „hart“ gilt, hängt vor allem davon ab, wie viel Calcium und Magnesium darin gelöst sind. Diese beiden Mineralstoffe werden auch als Härtebildner bezeichnet. Je höher ihre Konzentration ist, desto härter ist das Wasser.
Die Gesamthärte beschreibt vereinfacht die Summe der im Wasser gelösten Calcium- und Magnesiumverbindungen. In der Praxis wird sie meist in Grad deutscher Härte (°dH) oder als Millimol Calciumcarbonat pro Liter angegeben. Ein Grad deutscher Härte entspricht etwa 17,8 mg Calciumcarbonat pro Liter.
In Deutschland gibt es für die Wasserhärte keinen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung. Stattdessen wird Trinkwasser nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz in drei Härtebereiche eingeteilt. Diese Einteilung hilft vor allem dabei, Wasch- und Reinigungsmittel richtig zu dosieren. Wasserversorger müssen den Härtebereich ihres Trinkwassers mindestens einmal jährlich mitteilen.
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Härtebereich |
Gesamthärte |
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weich |
weniger als 8,4 °dH |
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mittel |
8,4 bis 14 °dH |
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hart |
mehr als 14 °dH |
Was bedeutet Gesamthärte?
Die Gesamthärte gibt an, wie viele Calcium- und Magnesiumionen im Wasser gelöst sind. Diese Mineralstoffe gelangen auf natürlichem Weg ins Wasser, wenn Regenwasser durch Böden und Gesteinsschichten sickert. Besonders kalkreiche Gesteine wie Kalkstein oder Dolomit können das Wasser härter machen.
Wichtig ist: Wasserhärte ist kein Hinweis auf schlechte Wasserqualität. Hartes Wasser enthält mehr Mineralstoffe, weiches Wasser weniger. Beides kann einwandfreies Trinkwasser sein. Das Umweltbundesamt betont, dass Leitungswasser unabhängig vom Härtegrad eine sehr gute Qualität haben kann.
Gesundheitliche Bedeutung
Aus gesundheitlicher Sicht ist hartes Trinkwasser in der Regel unbedenklich. Calcium und Magnesium sind essentielle Mineralstoffe. Calcium ist unter anderem wichtig für Knochen, Zähne, Muskelfunktion und Blutgerinnung. Magnesium spielt eine wichtige Rolle für Muskeln, Nerven und den Energiestoffwechsel.
Trinkwasser kann zur Aufnahme von Calcium und Magnesium beitragen. Dieser Beitrag ist je nach Region unterschiedlich, weil die Wasserhärte regional stark schwankt. Er ersetzt jedoch keine ausgewogene Ernährung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Trinkwasser für Menschen mit niedriger Calcium- oder Magnesiumaufnahme relevant sein kann, aber allein keine allgemeingültige Versorgungsempfehlung ableitet.
Teilweise wurde untersucht, ob hartes oder magnesiumreiches Trinkwasser mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt. Die wissenschaftliche Lage ist jedoch nicht eindeutig. Es gibt epidemiologische Hinweise, aber keinen gesicherten ursächlichen Nachweis. Das sollte nicht als Gesundheitsversprechen formuliert werden.
Technische Auswirkungen im Haushalt
Die Gesamthärte ist vor allem technisch relevant. Beim Erhitzen von hartem Wasser kann sich Calciumcarbonat, also Kalk, bilden. Das passiert zum Beispiel in Wasserkochern, Kaffeemaschinen, Warmwasserbereitern, Heizstäben und Armaturen.
Kalkablagerungen sind nicht gesundheitsschädlich, können aber Geräte belasten. Sie verschlechtern die Wärmeübertragung, erhöhen den Reinigungsaufwand und können die Lebensdauer von Haushaltsgeräten verkürzen. Besonders deutlich wird das bei Geräten, die Wasser erhitzen.
Auch beim Waschen spielt die Wasserhärte eine Rolle. Calcium- und Magnesiumionen können die Wirkung von Wasch- und Reinigungsmitteln verringern. Deshalb brauchen Haushalte mit hartem Wasser meist eine höhere Dosierung als Haushalte mit weichem Wasser. Genau dafür ist die gesetzliche Einteilung in Härtebereiche praktisch relevant.
Gleichzeitig ist Wasserhärte nicht nur negativ. Unter passenden Bedingungen können sich in Rohrleitungen dünne mineralische Deckschichten bilden, die metallische Werkstoffe vor Korrosion schützen können. Entscheidend ist aber nicht die Härte allein, sondern das gesamte Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht des Wassers, also unter anderem pH-Wert, Carbonathärte und gelöste Kohlensäure.
Wie entsteht Wasserhärte?
Die Wasserhärte entsteht überwiegend durch natürliche geologische Prozesse. Regenwasser nimmt Kohlendioxid aus der Luft und aus dem Boden auf. Dadurch entsteht schwache Kohlensäure, die Mineralien aus Gesteinen lösen kann. Wenn das Wasser durch kalk- oder dolomithaltige Schichten fließt, gelangen Calcium- und Magnesiumionen ins Grundwasser.
Deshalb kann Trinkwasser regional sehr unterschiedlich sein. In Gebieten mit kalkreichen Böden ist es häufig härter. In Regionen mit Granit, Sandstein oder anderen mineralarmen Gesteinen ist es oft weicher.
Menschliche Einflüsse spielen bei der Gesamthärte meistens eine untergeordnete Rolle. In einzelnen Fällen können Industrie, Bergbau oder bestimmte Aufbereitungsverfahren lokale Auswirkungen haben. In der öffentlichen Wasserversorgung wird Wasser teilweise gezielt enthärtet oder aufbereitet, wenn technische Gründe dafür sprechen, etwa zur Verringerung von Kalkablagerungen.
Was bedeutet das für private Haushalte?
Für Privatpersonen ist die Wasserhärte vor allem im Alltag relevant:
Bei hartem Wasser sollten Wasserkocher, Kaffeemaschinen und Armaturen regelmäßiger entkalkt werden. Waschmittel sollte entsprechend der Angabe des örtlichen Wasserversorgers dosiert werden. Für Tee und Kaffee kann weicheres Wasser geschmacklich angenehmer sein, weil weniger Mineralien mit Aromastoffen reagieren.
Eine private Enthärtungsanlage ist nicht automatisch sinnvoll. Sie kann bei sehr hartem Wasser und hohem Warmwasserverbrauch nützlich sein, muss aber hygienisch korrekt betrieben und regelmäßig gewartet werden. Außerdem verändert eine Enthärtung die Mineralstoffzusammensetzung des Wassers. Deshalb sollte sie nicht pauschal, sondern nach Wasseranalyse, Gebäudetechnik und Nutzungsverhalten bewertet werden.
Fazit
Die Gesamthärte beschreibt vor allem den Gehalt an Calcium und Magnesium im Trinkwasser. Sie ist kein Zeichen für schlechte Wasserqualität und hat in Deutschland keinen gesundheitlichen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung. Hartes Wasser ist gesundheitlich in der Regel unbedenklich und kann zur Mineralstoffaufnahme beitragen.
Im Haushalt kann harte Wasserqualität jedoch praktische Nachteile haben: Kalkablagerungen, höherer Reinigungsaufwand und eine angepasste Waschmitteldosierung. Wer seinen Härtegrad kennt, kann Geräte besser schützen, Reinigungsmittel richtig dosieren und unnötige Kosten vermeiden.