Braunes Wasser aus der Leitung: Ist Eisen die Ursache?

Braunes Wasser aus der Leitung: Ist Eisen die Ursache?

Eisen ist ein natürlich vorkommendes Metall und gleichzeitig ein lebenswichtiges Spurenelement. Der menschliche Körper benötigt Eisen unter anderem für den Sauerstofftransport im Blut, da es ein zentraler Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene je nach Geschlecht und Lebensphase unterschiedliche Zufuhrempfehlungen, zum Beispiel 11 mg Eisen pro Tag für Männer und 14 bis 16 mg pro Tag für Frauen.

Im Trinkwasser ist Eisen jedoch vor allem aus einem anderen Grund relevant: Es kann Aussehen, Geschmack und technische Eigenschaften des Wassers verändern. In Deutschland gilt für Eisen im Trinkwasser ein Grenzwert von 0,200 mg/L. Dieser Wert ist in der Trinkwasserverordnung als Indikatorparameter festgelegt. Das bedeutet: Eisen ist in üblichen Trinkwasserkonzentrationen in erster Linie kein toxikologisches Problem, sondern ein Hinweis auf mögliche sensorische oder technische Auffälligkeiten.

Ist Eisen im Trinkwasser gesundheitsschädlich?

Für gesunde Erwachsene sind die Eisenmengen, die typischerweise über Trinkwasser aufgenommen werden, in der Regel nicht gesundheitsschädlich. Eisen ist zwar lebensnotwendig, wird aber hauptsächlich über Lebensmittel aufgenommen, nicht über Wasser. Die Weltgesundheitsorganisation nennt für Eisen im Trinkwasser keinen gesundheitsbasierten Leitwert; frühere Richtwerte wurden vor allem aus ästhetischen Gründen wie Geschmack, Farbe und Ablagerungen abgeleitet.

Das heißt aber nicht, dass erhöhte Eisenwerte im Wasser egal sind. Sie können ein Zeichen dafür sein, dass Korrosion in Leitungen stattfindet oder dass Brunnen- beziehungsweise Grundwasser natürlich eisenreich ist. Solche Ursachen sollten geklärt werden, besonders wenn das Wasser sichtbar verfärbt ist oder metallisch schmeckt.

Woran erkennt man Eisen im Wasser?

Erhöhte Eisenkonzentrationen können sich unterschiedlich bemerkbar machen. Typisch sind:

· gelbliche, rötliche oder bräunliche Verfärbungen

· Trübung des Wassers

· metallischer Geschmack

· braune Ablagerungen an Armaturen, Waschbecken oder Fliesen

· Rostspuren in Haushaltsgeräten

· Verfärbungen von Wäsche

Solche Auffälligkeiten entstehen, wenn gelöstes Eisen mit Sauerstoff reagiert. Dabei kann aus zunächst unsichtbarem gelöstem Eisen sichtbares Eisenoxid oder Eisenhydroxid entstehen. Umgangssprachlich wird das häufig als Rost oder Eisenocker wahrgenommen.

Warum gibt es für Eisen einen Grenzwert?

Der Grenzwert für Eisen schützt vor allem die Qualität und Gebrauchstauglichkeit des Trinkwassers. Wasser soll klar, geschmacklich unauffällig und für Leitungen, Armaturen und Geräte geeignet sein.

Bereits geringe Mengen können störend wirken, bevor sie gesundheitlich relevant werden. Die WHO beschreibt Eisen im Trinkwasser ebenfalls primär als ästhetisches Problem, etwa wegen Geschmack, Farbe und Ausfällungen. Der deutsche Grenzwert von 0,200 mg/L soll deshalb helfen, sichtbare Verfärbungen, Trübungen, Ablagerungen und technische Probleme möglichst zu vermeiden

Woher kommt Eisen im Trinkwasser?

Eisen kann auf natürlichem Weg in Wasser gelangen. Es ist ein häufiges Element der Erdkruste und kann durch Verwitterung aus Gesteinen und Böden ins Grundwasser übergehen.

Erhöhte Eisenwerte im Leitungswasser entstehen jedoch häufig auch innerhalb der Gebäudeinstallation. Besonders ältere Eisen-, Stahl- oder verzinkte Leitungen können durch Korrosion Eisen an das Wasser abgeben.

Häufige Ursachen sind:

· natürlich eisenreiches Grundwasser

· private Brunnenanlagen

· Korrosion alter Leitungen

· verzinkte Stahlrohre

· längere Stagnation des Wassers in der Leitung

· Ablagerungen in Rohrsystemen

· technische Störungen in Hausinstallationen

Ob die Ursache im öffentlichen Versorgungsnetz, im Brunnen oder in der Hausinstallation liegt, lässt sich meist nur durch eine gezielte Betrachtung der Probenahmestelle und der Gebäudesituation einschätzen.

Was sind Eisenbakterien?

Bei erhöhten Eisenkonzentrationen können sogenannte Eisenbakterien auftreten. Diese Mikroorganismen nutzen Eisenverbindungen im Wasser und können schleimige Beläge oder Biofilme bilden.

Eisenbakterien gelten nicht als typische Krankheitserreger. Trotzdem können sie problematisch sein, weil sie Ablagerungen, Verstopfungen, Geruchsentwicklung oder hygienisch ungünstige Biofilme in Leitungen begünstigen können. Solche Biofilme können die Wasserqualität beeinflussen und technische Anlagen stärker belasten.

Warum ist Eisen besonders bei Brunnenwasser relevant?

Bei Brunnenwasser sind erhöhte Eisenwerte vergleichsweise häufig, weil das Wasser direkt aus dem Untergrund stammt und nicht immer dieselbe Aufbereitung wie öffentliches Trinkwasser durchläuft. Je nach Boden, Gestein, Sauerstoffgehalt und pH-Wert kann Eisen im Grundwasser gelöst vorliegen.

Auffällig wird es oft erst nach dem Kontakt mit Luft: Frisch entnommenes Wasser kann zunächst klar erscheinen und sich nach kurzer Zeit gelblich oder bräunlich verfärben. Das liegt daran, dass gelöstes zweiwertiges Eisen zu schwer löslichen Eisenverbindungen oxidiert und ausfällt.

Fazit

Eisen ist für den Menschen lebenswichtig, im Trinkwasser aber vor allem ein Qualitätsparameter. In üblichen Konzentrationen steht nicht die Gesundheitsgefährdung im Vordergrund, sondern die Veränderung von Farbe, Geschmack und technischer Nutzbarkeit des Wassers.

Der Grenzwert von 0,200 mg/L dient dazu, Trinkwasser klar, geschmacklich unauffällig und technisch zuverlässig nutzbar zu halten. Werden Verfärbungen, Rostspuren, metallischer Geschmack oder Ablagerungen sichtbar, sollte die Ursache geprüft werden. Häufig liegt sie in eisenreichem Grundwasser, privaten Brunnen oder älteren Leitungen.

Quellen

Amt der Oberösterreichischen Landesregierung. (2021). Eisen und Mangan im Trinkwasser. https://www.land-oberoesterreich.gv.at

Dieter, H. H. (2002). Welche Fremd- und Schadstoffe gefährden oder verunreinigen prioritär das Trinkwasser? Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 45(11), 925–931.

Gesundheitsamt Hochsauerlandkreis. (2020). Eisen im Trinkwasser – Bewertung und Ursachen.

Stumm, W., & Morgan, J. J. (1996). Aquatic chemistry: Chemical equilibria and rates in natural waters. Wiley.

Umweltbundesamt. (2018). Toxikologie des Trinkwassers. https://www.umweltbundesamt.de

World Health Organization. (2017). Guidelines for drinking-water quality (4th ed.). https://www.who.int/publications/i/item/9789241549950

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